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Internet Explorer 8

Überblick

Mit der Veröffentlichung des Internet Explorer 7 hat Microsoft neue Hauptversionen im Jahresabstand versprochen. Dass dieses Versprechen nicht eingehalten werden konnte ist offensichtlich. Dass sich die Verzögerung trotzdem gelohnt hat, zeigt die Betaversion des neuen Browsers, die bereits jetzt mit zahlreichen Verbesserungen und sinnvollen Neuerungen punkten kann.

Mit der Unterstützung von Webstandards räumt der Internet Explorer 8 mit zahlreichen Versäumnissen der Vergangenheit auf. Mit Elementen aus HTML 5 und CSS 3 schafft er neue Möglichkeiten für Entwickler und sogar die Eigentwicklungen WebSlices und Aktivitäten können sich sehen lassen. Ein komfortableres und sicheres Surf-Erlebnis versprechen Änderungen der Benutzoberfläche, eine automatische Wiederherstellung nach Abstürzen und der neue Sicherheitsfilter.

Benutzeroberfläche

Die Benutzerführung der ersten Betaversion gleicht in weiten Teilen der Oberfläche des Internet Explorer 7. Auf den ersten Blick ist vieles beim Alten geblieben, denn die Neuerungen verstecken sich meist im Detail. Am auffälligsten sind wohl die Änderungen der Adresszeile, doch auch die Zoomfunktion und der Links-Toolbar sind substantiell verbessert worden. Letzterer glänzt nach einer kompletten Überarbeitung durch neue Funktionen und darf sich nun Favoritenleiste nennen.

Die Adresszeile stellt weniger relevanten Teile der URL ausgegraut dar, dadurch fällt die Domain stärker ins Auge. Von diesem Domain-Highlighting verspricht man sich einen Sicherheitsgewinn. So soll es Benutzern erleichtert werden, Domainspoofing und Phishing-Attacken frühzeitig zu erkennen und sich ein Urteil über die Vertrauenswürdigkeit der angesurften Website zu bilden.

Auf eine Verbesserung der Benutzerfreundlichkeit zielen ein überarbeitetes Klickverhalten und das Einfügen mehrzeiliger URLs, was das Übernehmen langer Adressen aus E-Mails deutlich erleichtert. Ein einzelnes Wort lässt sich per Doppelklick markieren, mit drei Klicks wird die gesamte URL gewählt.

Auch am wichtigen Thema Barrierefreiheit wurde gearbeitet: Internet Explorer 8 verfügt über eine adaptive Zoomfunktion, die Texte automatisch umbricht und horizontale Scrollbalken in den meisten Fällen verhindert.

Die Anzeige von RSS-Feeds ist nun auch in der Favoritenleiste möglich, wobei die Umsetzung im Wesentlichen den aus Firefox bekannten dynamischen Lesezeichen entspricht. Neue Feeds lassen sich einfach per Mausklick abonnieren. Sind Beiträge hinzugekommen, wird der Feedeintrag fett dargestellt. Einzigartig ist die Einbindung von WebSlices, einer Neuentwicklung im Internet Explorer 8. Darunter versteht man Abschnitte von Webseiten, die sich im Browser abonnieren lassen und im Vergleich zu RSS einigen Mehrwert bietet.

Die beim Vorgänger noch recht sperrige Add-on-Verwaltung wurde deutlich verbessert. Toolbars und Suchanbieter (OpenSearch) lassen sich jetzt genauso verwalten, wie die neu hinzugekommenen Aktivitäten.

Stärken und Schwächen

Plus

  • Die guten Ansätze des IE7 wurden in vielen Bereichen weiter ausgefeilt. Diese Detailverbesserungen steigern den Bedienkomfort deutlich.
  • Die Eigententwicklungen WebSlices und Aktivitäten sind durchdacht und bieten Mehrwert.

Minus

  • Optisch wurde bislang wenig getan, hier gibt es noch Raum für Verbesserungen.
  • Das Öffnen neuer Registerkarten ist erstaunlich träge. Das können die Wettbewerber besser.

Unterstützte Standards und Dateiformate

HTML

Neben HTML 4.01 und XHTML werden bereits Teile des zukünftigen HTML-5-Standards unterstützt. Die Beta 1 implementiert vier Elemente, die vor allem in Hinblick auf asynchronen Datenaustausch und Web 2.0 interessant sein dürften: Ein Client-seitiges API zur Datenspeicherung, Network Connection Awareness und window.location.hash, mit dem in Ajax-Applikationen für das korrekte Funktionieren des Browser-Verlaufs gesorgt werden kann. Cross-document messaging (XDM) verspricht eine sichere Kommunikationen zwischen Dokumenten auf verschiedenen Domains ohne Angriffe durch Cross-Site Scripting (XSS) zuzulassen.

Bedenkt man, dass sich HTML 5 noch in der Entwurfsphase befindet (Final Draft wird für Ende 2010 erwartet), ist die frühzeitige Implementierung ein mutige Schritt. In Redmond ist man sich dieser Problematik bewusst und legt Wert auf den Einsatz möglichst stabiler Sprachelemente des Standards. Laut Chris Wilson, einem Mitarbeiter des Internet Explorer Teams, habe man sich mit anderen Browser-Herstellern darüber abgestimmt. Für den Fall, dass sich das Verhalten der implementierten Features von Seiten des W3C ändert, sollen Workarounds zur Verfügung gestellt werden.

Ein HTML-5-Element, das von vielen Entwicklern bislang vermisst wird, ist der Canvas-Tag. Er erlaubt das dynamische Zeichnen von Bitmap-Grafiken und wurde ursprünglich für Apples WebKit-Engine entworfen. Abgesehen vom Internet Explorer unterstützen heute alle gängigen Browser diesen Standard.

CSS

In Sachen CSS geht der IE8 einen großen Schritt in Richtung Standardkonformität. Wie ernst es den Redmondern mit diesem Thema ist, kann man unter anderem daran ablesen, dass bereits die Beta 1 des neuen Browsers den Acid2-Test bestanden hat. Die klare Aussage dieses Ergebnisses: der Internet Explorer 8 unterstützt CSS um ein Vielfaches besser als alle seine Vorgänger.

Die dazu notwendigen Änderungen in der Rendering-Engine sind so umfassend, dass man sich Sorgen um die Abwärtskompatibilität des Browsers macht. Schon im Vorgänger IE7 wurden zahlreiche Websites fehlerhaft dargestellt, weil sie für ältere Versionen des Browsers optimiert waren. Damit sich solche Vorfälle mit dem Internet Explorer 8 nicht wiederholen, wurde die Betaversion mit einem Notfall-Schalter versehen: per Knopfdruck kann auf den Darstellungsmodus des Internet Explorer 7 zurückgegriffen werden. Ob es bei dieser Lösung bleibt oder bis zum Release-Termin noch andere Wege gefunden werden, bleibt abzuwarten.

Um in Sachen Standardunterstützung mit den Wettbewerbern Firefox, Opera und Safari gleich zu ziehen, mussten im Internet Explorer zunächst alte Löcher gestopft werden. Durch das Entfernen der Eigenschaft hasLayout wurden viele hartnäckige Fehler beseitigt. So sind die bekannten Probleme mit zusammenfallenden Randabständen (collapsing margins) jetzt behoben und auch der eigenwillige Umgang mit Floats soll ab Version 8 ein Ende haben.

Eine Reihe von Eigenschaften aus CSS 2.1 wurden neu implementiert: generated content, outline, counters sowie neue Möglichkeiten für die Eigenschaft display, mit denen die Darstellung von Inline-Tabellen ermöglicht wird. Die Druckdarstellung kann durch Seitenumbrüche zuverlässiger kontrolliert werden.

Auch CSS 3 ist bereits in der Betaversion zu finden. Über box-sizing lässt sich beschreiben, welches Box-Modell verwendet werden soll. Die Redmonder stellen die Eigenschaft zunächst jedoch unter dem Aliasnamen -ms-box-sizing zur Verfügung, da hier noch eine endgültige Entscheidung des W3C aussteht.

Das Sprachelement writing-mode war bereits älteren Internet Explorern bekannt und kann für die Definition senkrecht verlaufender Textblöcke verwendet werden. Jetzt ist es offiziell in den CSS-3-Standard übernommen worden und auch im Internet Explorer 8 wieder zu finden.

JavaScript / JScript

Derzeit erscheint eine Unterstützung von ECMAScript 4 unwahrscheinlich. In Redmond befürchtet man die Inkompatibilität zu bestehenden Applikationen und versucht im Sinne des IE-Mantras “Not breaking the Web” einen Alleingang. Aufgrund von Unterschieden im Sprachkern spricht man sich für die Schaffung einer eigenen, von bisherigen JavaScript-Implementierungen unabhängigen Sprache aus.

Abgesehen von dieser relativ theoretischen Diskussion ist man bemüht, die zahlreichen Abweichungen vom älteren Standard ECMAScript 3 zu identifizieren. Jahrelange Vernachlässigung hatte dazu geführt, dass Microsofts JavaScript-Variante JScript hinter die Implementierungen anderer Browser zurückgefallen war. Diese Lücke will man nun schließen.

Einige hartnäckige Bugs im DOM-Scripting sind mit der Beta 1 bereits behoben worden. Der häufig verwendete Befehl .getElementById gibt nun in allen Fällen Elemente anhand ihrer Id zurück und nicht mehr anhand des name-Attributs, wie es in früheren IE-Versionen vorgekommen war. Verbesserungen haben auch die Sprachelemente .get-/.setAttribute, .ownerElement und .ownerDocument erfahren.

Als einer der ersten Browserhersteller implementiert Microsoft die Selectors API. Über die Methoden querySelector() und querySelectorAll() lassen sich DOM-Elemente besonders schnell und einfach selektieren.

Mit dem neuen XdomainRequest-Objekt (XDR) macht der Internet Explorer 8 domainübergreifende Script-Anfragen möglich. Aus Sicherheitsgründen muss auf dem angefragten Host das Attribut XDomainRequestAllowed gesetzt sein. Das neue Objekt bietet Chancen und Risiken gleichermaßen. Es erleichtert Ajax-Anfragen, für die bislang ein eigens eingerichteter Proxyserver notwendig war, schafft aber auch neue Angriffsmöglichkeiten über Cross-Site Scripting (XSS). Performance und Speicherverwaltung sind im Vergleich zu den Vorgängern verbessert worden. Dadurch sind im Internet Explorer 8 deutlich weniger Probleme mit memory leaks zu erwarten.

Dateiformate

Zum Umgang mit PNG gibt es wenig neues zu vermelden. Grundsätzlich wird das Grafikformat voll unterstützt, die in Vorgängerversionen vermisste Alphatransparenz ist bereits im Internet Explorer 7 nachgebessert worden. Bekannte Probleme mit der Gammakorrektur sind aber geblieben, wodurch PNG-Grafiken häufig zu dunkel dargestellt werden.

Unbefriedigend bleibt Microsofts Umgang mit dem SVG-Standard. Bereits 2001 als Empfehlung des W3C veröffentlicht, ermöglich SVG die Beschreibung skalierbarer Vektorgrafiken in XML. Trotz der offensichtlichen Stärken der Technologie und zahlreichen Implementierungswünschen bleibt Microsoft der einzige Browserhersteller, der SVG bislang vollständig ignoriert.

ARIA

Die Unterstützung der ARIA-Spezifikation des W3C ist ein Meilenstein in der Barrierefreiheit, der besondere Erwähnung verdient. ARIA steht für Accessible Rich Internet Applications und ist eine Syntax, die universelle Schnittstellen zwischen Anwendungen und unterstützenden Technologien schaffen soll. Internet Explorer 8 kann durch ARIA eine Vermittlerrolle zwischen Web-Applikation und Hilfsmitteln wie Screenreader oder Braillezeile einnehmen.

Stärken und Schwächen

Plus

  • Es wurden zahlreiche Darstellungsfehler und Performanceprobleme behoben.
  • Webstandards werden durch den Internet Explorer 8 gut unterstützt. Microsoft nimmt dieses Thema endlich ernst und setzt Zeichen.
  • Mit der Emulation des IE 7 wird eine Fallback-Lösung für ältere Websites angeboten.
  • Ausgewählte Elemente aus HTML 5, CSS 3 sowie neue JavaScript-Objekte sorgen für Zukunftsfähigkeit im Web 2.0.
  • Ein klares Plus für mehr Barrierefreiheit durch ARIA.

Minus

  • Der Canvas-Tag wird vom IE 8 nicht unterstützt. Die meisten anderen Browser tun dies schon längst.
  • Mit seiner JavaScript-Version hinkt Microsoft der Entwicklung hinterher. Man bemüht sich um Fehlerbereinigung, zeigt sich in Hinblick auf ECMAScript 4 aber noch unbeweglich.
  • Firefox 3 und Opera 9.5 sind auch in der HTML- und CSS-Unterstützung weiter.

Neuentwicklungen im IE8

Den Anspruch das WWW mitzugestalten hat Microsoft auch mit dem Internet Explorer 8 nicht aufgegeben. Zu den wegweisenden Neuerungen gehören die XML-Formate WebSlices und Aktivitäten. Durch ihren praktischen Nutzwert und offene Standards (Open Service Definition), dürften sie sich in Zukunft einiger Beliebtheit erfreuen - und zwar nicht nur bei Benutzern der Internet Explorer. Bereits jetzt sind passende Add-Ons für Firefox erschienen.

WebSlices

Das Prinzip Content-Syndication ist ein echtes Erfolgsmodell, wie der verbreitete Einsatz von RSS-Feeds beweist. Die WebSlices des IE8 greifen diese Idee auf und verbindet sie mit Funktionen, die man bisher vor allem von Widgets kannte. WebSlices lassen sich dabei genauso einfach Abonnieren wie RSS-Feeds und können direkt aus der Favoritenleiste aufgerufen werden.

Internet Explorer 8 erkennt automatisch, wenn WebSlices angeboten werden und benachrichtigt, sobald neue Informationen eintreffen. Aktuelle Inhalte, wie Sportergebnisse oder der Wetterbericht, lassen sich dadurch leicht verfolgen. Bei Bedarf genügt ein Klick für eine aufschlussreiche Detailansicht.

Technisch sind WebSlices HTML-Elemente, die über eine Kombination aus hAtom 0.1 Microformaten und einer eigenen Syntax gekennzeichnet werden. So können, neben dem eigentlichen Eintragsinhalt, auch Ablaufzeit und Bandbreite festgelegt werden. Die Angaben zu Bandbreite steuern die Updatefrequenz und sollen helfen, die Serverlast zu kontrollieren.

Zur automatischen Erkennung können WebSlices im als <link>-Element im Website-Header eingebunden werden. Alternativ können sie aber auch direkt aus dem Seiteninhalt heraus abonniert werden. Bei Mausberührung erscheint ein Icon an der linken, oberen Ecke des gekennzeichneten Elementes. Über einen Meta-Tag lässt sich diese Funktion bei Bedarf deaktivieren.

Aktivitäten

Was machen Internetnutzer am häufigsten, wenn sie mit Webinhalten interagieren? “Suchen” und “senden”, meint Microsoft, und stellt mit den Aktivitäten eine Lösung vor, die einen besonders komfortablen Umgang mit Texten ermöglicht. Damit wird den bislang für solche Aufgaben verwendeten Bookmarklets eine native Lösung entgegengesetzt, deren Vorteile in einer besseren Oberflächenintegration und einfacheren Verwaltung zu sehen sind.

Ein Praxisbeispiel gibt Aufschluss über die Einsatzmöglichkeiten: ein Internetnutzer möchte einen Blogbeitrag in einem Forum diskutieren. Dazu müsste er die entsprechende Textpassage kopieren, zum Forum wechseln, dort einen neuen Beitrag anlegen, den Text einfügen und formatieren. Nachdem er seinen Kommentar hinzugefügt hat, wird er den Eintrag speichern und sich dann wieder der Ursprungsseite zuwenden.

Die Aktivitäten des IE8 verkürzen diesen Vorgang deutlich. In unserem Beispiel markiert der Benutzer einen Text und wählt die Aktivität “im Forum diskutieren”. Dadurch springt er direkt zu einem neuen Forumsbeitrag, der mit dem zitierten Text vorausgefüllt ist. Kommentieren, abschicken, fertig.

Neben dem Senden von Informationen, werden auch Suchfunktionen berücksichtigt. So lässt sich zu einer Anschrift beispielsweise einfach und schnell passende Karte aufrufen.

Alle Aktivitäten können von Benutzer selbst installiert und verwaltet werden. Die Programmierung und Bereitstellung erfolgt über ein XML-Format namens OpenService. Damit können die Aktivitäten außerdem nach Kategorien gruppiert und passend lokalisiert werden. Auch die Definition einer Kontext-Vorschau möglich, was dem Benutzer in vielen Fällen den Aufruf von externen Seiten erspart. Der Datenaustausch erfolgt über HTTP GET- oder POST-Anforderungen.

Stärken und Schwächen

Plus

  • Die WebSlices bereichern das Prinzip Content-Syndication durch mehr Interaktion und Gestaltungsmöglichkeiten.
  • Die Aktivitäten sind viel einfacher zu verwenden als Bookmarklets, die außerhalb von Entwicklerkreisen bisher nur wenige Anhänger finden konnten.
  • Beide Neuentwicklungen machen einen praxistauglichen Eindruck und überzeugen mit guter Usability

Entwicklertools

Die neuen Entwicklertools ersetzen den Internet Explorer Developer Toolbar durch eine native Lösung, die wichtige Features bekannter Entwicklerwerkzeuge in sich vereint. Im Vergleich zu der aus Firefox häufig verwendeten Kombination Web Developer Toolbar und Firebug, haben die Entwicklertools allerdings wenig neues zu bieten. Insbesondere die Ähnlichkeit zu Firebug ist augenfällig, die Zahl der Funktionen insgesamt aber geringer.

Nach dem Starten der Entwicklertools kann zwischen drei Arbeitsebenen gewählt werden. HTML-Markup, CSS-Layout und Scripting sind jeweils unter eigenen Tabs zu finden, Zusatzfunktionen zum Auswählen von Elementen per Klick und Anzeigen von Konturen können separat über das Menü aufgerufen werden.

Die Entwicklertools des Internet Explorer 8

Die HTML-Ansicht zeigt den vollständigen DOM-Tree mitsamt aller zum Ausführungszeitpunkt gesetzen Variablen und Werte. Durch die Funktion “Element durch klicken auswählen”, lassen sich spezifische Bereiche einer Website bequem im DOM auffinden. Alle Elemente können direkt in der DOM-Ansicht bearbeitet werden.

Gelungen ist die Layoutdarstellung, die eine visuelle Repräsentation des Box-Modells anzeigt. Offset, margin, border, und padding des gewählten HTML-Elementes können auf einen Blick erfasst und Ausrichtungsfehler schnell gefunden werden.

Abgesehen von Editiermöglichkeiten vermisst man im CSS-Bereich wenig. Der DOM-Tree bietet alle gängigen Funktionen, wie z.B. die Anzeige vererbter Eigenschaften und die Möglichkeit, einzelne Formatierungen zu deaktivieren.

Einen überzeugenden Eindruck macht der Skriptbereich. Die Redmonder werfen hier einen JavaScript-Debugger ins Rennen, der sich vor etablierten Tools nicht verstecken muss. Das Setzen von Haltepunkten ist ebenso möglich, wie das Inspizieren von Variablen oder die Direkteingabe von Skriptcode.

Website-Entwickler dürfen sich außerdem darauf freuen, den Kompatibilitätsmodus im laufenden Betrieb wechseln zu können. Zur Verfügung stehen der sogenannte Quirks-Modus des IE5, der Strict-Modus des IE7 sowie der im Internet Explorer 8 neu hinzugekommene Standards-Modus.

Validatoren für HTML und CSS sucht man in dieser ersten Version der Entwicklertools allerdings vergeblich. Eine automatische Validierung würde das Entwickeln standardkonformer Seiten deutlich erleichtern. Zumindest die Verknüpfung mit webbasierten Validatoren sollte man von einer solchen Entwicklerlösung erwarten dürfen.

Stärken und Schwächen

Plus

  • Die meisten grundlegenden Funktionen, die man von einem solchen Tool erwarten kann, sind vorhanden.
  • Ein Wechsel der Darstellungsmodi ist einfach möglich.

Minus

  • Bislang können die Entwicklertools mit nur wenigen Innovationen aufwarten. Fast alles kennt man schon von anderen Werkzeugen.
  • Die Entwicklertools werden in einem eigenen Fenster geöffnet. Das macht die Arbeit an Einzelmonitoren unbequem. Eine Darstellung als Side- oder Bottombar wäre eine sinnvolle Ergänzung.
  • Validatoren für HTML und CSS fehlen leider.

Weitere Verbesserungen

Performance

Bereits in der ersten Betaversion gibt es einige Performanceverbesserungen zu vermelden. Bis zur Fertigstellung sind weitere Fortschritte geplant. Folgende Bereiche sind derzeit betroffen: HTML Parser, CSS Regelverarbeitung, Manipulationen des DOM-Tree, JScript, Garbage Collector sowie die Speicherverwaltung.

Automatische Wiederherstellung

Durch Änderungen in der Systemarchitektur (LCIE) ist der Internet Explorer 8 in der Lage, den Zustand des Browsers nach einem Absturz wieder herzustellen. Neben den Inhalten einzelner Tabs, sollen auch Formulareingaben, wie z.B. Blog- oder Foreneinträge, und laufende Sessions nach einem Crash fortgesetzt werden können.

Sicherheit

Unter Windows Vista und Windows Server 2008 wird der neue Browser mit aktiviertem DEP/NX ausgeliefert. DEP/NX steht für Data Execution Prevention/No Execute und verhindert die Ausführung von Code auf nicht ausführbaren Speicherregionen. Das Feature ist bereits seit IE7 vorhanden, war dort aber aus Kompatibilitätsgründen deaktiviert. Add-on-Entwickler müssen Ihre Erweiterungen anpassen, um eine problemlose Ausführung sicherzustellen.

ActiveX-Komponenten unter Windows Vista können jetzt für einzelne Userprofile installiert werden ohne, dass dafür Administratorrechte notwendig sind (Per-User ActiveX). Dadurch wird nicht nur der Verwaltungsaufwand verringert, auch die Wirkung schädlicher Komponenten bleibt auf das Nutzerkonto beschränkt und hat keinen Einfluss mehr auf das Gesamtsystem.

Zusätzlich wird für jede besuchte Website geprüft, ob bereits installierte Komponenten ausgeführt werden dürfen (Per-Site ActiveX). So soll schädliche Zweckentfremdung von Komponenten verhindert werden. Eine Informationsleiste fragt in solchen Fällen, ob die Ausführung auf der besuchten Website erlaubt werden soll.

Der aus IE7 bekannte Phishingfilter wurde weiter ausgebaut und heißt jetzt Sicherheitsfilter. Er erkennt und blockiert unsichere Seiten anhand einer Blacklist. Für Administratoren besteht die Möglichkeit, den Zugriff auf unsichere Webseiten systemweit zu blockieren. Zusammen mit dem Domain-Highlighting möchte Microsoft damit noch stärker gegen Phishingbetrug vorgehen.

Stärken und Schwächen

Plus

  • Durch grundlegenden Änderungen in der Systemarchitektur ist der Internet Explorer 8 stabiler und sicherer als seine Vorgänger.
  • Die Wiederherstellung von Formulareingaben löst ein wichtiges Alltagsproblem.

Minus

  • Leider werden Anpassungen an Add-ons und Komponenten notwendig.

Systemvoraussetzungen und Verfügbarkeit

Internet Explorer 8 steht derzeit als Beta 1 für Entwickler zur Verfügung und kann unter folgender Adresse auf Deutsch heruntergeladen werden: http://www.microsoft.com/germany/windows/products/winfamily/ie/ie8/getitnow.mspx

IE8 läuft auf Windows XP, Windows Vista oder Windows Server ab Version 2003 (SP1). Eine Prozessorleistung von mindestens 233-MHz wird vorausgesetzt. Der benötigte Arbeitsspeicher bewegt sich, je nach Betriebssystem, zwischen 64 und 512 MB RAM.

Die Beta 2 soll im August erscheinen.

Weblinks

 
windows/internet-explorer-8.txt · Zuletzt geändert: 24.06.2008, 21:08 von David Bongard     Nach oben
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