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Community

Ursprung und Bedeutung

Die Geschichte der Community reicht weit zurück. Eine der ersten begrifflichen Nennungen im deutschen Sprachraum fand 1887 durch Tönnies statt, der zwischen Gemeinschaft und Gesellschaft unterschied. Viele weitere Definitionen 1) folgten. Zwar hat sich keine einheitliche Definition herausgebildet, aber einige Aspekte sind sämtlichen Definitionen gemeinsam: Von einer Community wird gesprochen, wenn sich eine Gruppe gemeinschaftlich einem geteilten Ziel oder Interesse widmet und sich dazu austauscht. Im Zusammenhang mit Unternehmen ist wohl die Community of Practice am bekanntesten, die nach Lave und Wenger 2) Mitglieder mit gemeinsamen Verantwortlichkeiten oder Tätigkeiten bezogen auf ein bestimmtes Thema vereinen. Der Begriff Community wird zwar heutzutage meistens im Sinne der Online- Community gebraucht, also einer Community, die sich über Web-basierte Anwendungen austauscht, ist aber nicht zwangsläufig damit verbunden. Communities können auf persönlichen Kontakten basieren.

Anwendung

Unternehmen können Communities in den verschiedensten Bereichen einsetzen, in denen ein gemeinsames Ziel erarbeitet werden soll. Als Beispiel sei hier der Innovationsprozess genannt. Werden nicht nur Mitarbeiter in den Innovationsprozess einbezogen, sondern auch Kunden oder Partner, spricht man von Open Innovation 3). Der Begriff Closed Innovation bezieht sich auf Innovationsaktivitäten ausschließlich innerhalb des Unternehmens.

Erfolgsfaktoren von Communities

Beim Betrieb von Communities ist auf jene Faktoren zu achten, die den Erfolg von Communities ausmachen. Die Studie zu den Erfolgsfaktoren virtueller Gemeinschaften 4) kam zu dem Ergebnis, dass aus Sicht der Mitglieder die folgenden fünf von insgesamt 26 Faktoren am wichtigsten sind: Sensibler Umgang mit den Daten der Mitglieder, Stabilität der Website, schnelle Reaktionszeit der Website, Unterstützung neuer Mitglieder durch erfahrene Mitglieder und Etablierung von Verhaltensregeln zur Eindämmung des Konfliktpotenzials. Aus Sicht der Betreiber, die dieselben 26 Faktoren plus sechs weitere Faktoren beurteilten, waren ebenso der sensible Umgang mit den Daten der Mitglieder, die Stabilität der Website, die schnelle Reaktionszeit der Website sowie das Angebot aktueller Inhalte und ein kontinuierliches Community-Controlling hinsichtlich Mitgliederzufriedenheit am wichtigsten.

Empfehlungen für die Praxis

Aus Studien, die das Know-Center durchgeführt hat und die sich insbesondere mit dem Nutzerverhalten von Mitgliedern in verschiedenen Online-Communities – Plattform Wissensmanagement 5) und Wissenscommunity Alexander 6) – befasst haben, lassen sich die folgenden Empfehlungen ableiten.

Motive

Für die Mitgliedschaft in einer Community können unterschiedliche wissensintensive Motive wie der Wunsch, sich mit anderen auszutauschen oder nach Informationen zu suchen, eine Rolle spielen. Zwar können die Betreiber nicht jedem Motiv gerecht werden, aber es sollte überlegt werden, welchem Zweck die Community dienen soll und welche Motive damit angesprochen werden. Wenn dies auch entsprechend transportiert wird, werden sich hauptsächlich solche Mitglieder einfinden, deren Motive auch den angesprochenen entsprechen.

Vertrauen

Nach Aussagen der Nutzer ist ihr Vertrauen in Nutzer-generierte Inhalte dann am größten, wenn die Qualifikation des Autors entsprechend ist bzw. sind die Nutzer auch an den Profilen der anderen Nutzer interessiert. Diese Ergebnisse legen nahe, dass Informationen über die Nutzer bereitgestellt werden sollten, um das Vertrauen ineinander zu stärken. Fraglich ist in diesem Zusammenhang allerdings, inwieweit die Nutzer Informationen über sich selbst auch bereitstellen wollen. Werden Profile nicht angenommen, können alternativ auch wechselseitige Bewertungen von Beiträgen eingeführt werden. Diese Maßnahme wurde am zweithäufigsten bei der Frage nach dem Vertrauen genannt.

Aktivität

Es ist eine bekannte Tatsache, dass üblicherweise die Anzahl der passiven Nutzer gegenüber der der aktiven Nutzer deutlich überwiegt 7), wenngleich dies zu einem gewissen Grad von der Art der Community abhängt bzw. es verständliche Gründe für die passive Nutzung gibt 8). Trotzdem sollte sichergestellt werden, dass die Community lebendig bleibt. Dies kann beispielsweise über einen Moderator bzw. Redakteure erfolgen, die mit eigenen Beiträgen für Bewegung in den Inhalten sorgen, oder durch die Festlegung von Autoren und Richtlinien, die sich beispielsweise auf Häufigkeit oder Umfang beziehen.

Interaktion

In den Studien zeigte sich, dass Community-Mitglieder großen Wert auf Nutzer-generierte Inhalte bzw. interaktive Inhalte legen. Der Grund dafür kann darin liegen, dass Nutzer-generierte Inhalte dem Informationsbedürfnis besser entsprechen können als professionelle, vorgefertigte Inhalte. Allerdings muss, insbesondere im Unternehmenseinsatz, die Qualität von Nutzer-generierten Inhalten sichergestellt werden, es sei denn die Community verfolgt das Prinzip, keinen Einfluss darauf zu nehmen. Die Qualitätssicherung kann, wie auch schon weiter oben erwähnt, über wechselseitige Bewertung durch die Nutzer selbst erfolgen oder bis zu einem gewissen Grad durch die Qualifizierung der Nutzer sichergestellt werden oder aber durch Redakteure, die Inhalte erst dann freigeben, wenn sie bestimmten Kriterien entsprechen.

— Autor: Klaus Tochtermann und Gisela Granitzer 27.11.2007, 17:08

1) Fremuth, N., Tasch, A. (2002). Virtuelle und mobile Communities. Begriffserklärungen und Implikationen für Geschäftsmodelle. Arbeitsberichte des Lehrstuhls für Allgemeine und Industrielle Betriebswirtschaftslehre an der Technischen Universität München. http://www.cosmos-community.org/downloadFiles/WP035.pdf
2) Lave, J., Wenger, E. (1991). Situated Learning: Legitimate Peripheral Participation. Cambridge University Press. Cambridge.
3) Chesbrough, H.W. Open Innovation: The New Imperative for Creating and Profiting from Technology. Harvard Business School 2003
4) Leimeister, J.M., Sidiras, P., Krcmar, H. (2003). Erfolgsfaktoren virtueller Gemeinschaften aus Sicht von Mitgliedern und Betreibern - Eine empirische Untersuchung. Proceedings der 6. Internationalen Tagung Wirtschaftsinformatik 2003. Medien - Märkte – Mobilität. Uhr, W., Esswein, W., Schoop, E. (Hrsg.). Band 2. Heidelberg. 2003. Physika-Verlag. 659-680. ISBN 3-7908-01119. http://wwwkrcmar.in.tum.de/lehrstuhl/publikat.nsf/intern01/4402AFE834658B9DC1256DCE0029EF3B/$FILE/03-27.pdf
5) Dösinger, G., Thurner, C. Wissenscommunities – Was funktioniert und was nicht! Wissensmanagement – Das Magazin für Führungskräfte, Heft 8, November/Dezember 2007
6) Dösinger, G., Maurer, L., Tochtermann, K. How users behave in a combined community/content environment. In Proceedings of ICL 2007, 26-28 September 2007, Villach, Österreich
7) Haas, S., Trump, T., Gerhards, M., Klingler, W.: ARD/ZDF-Online-Studie 2006. http://www.ard-werbung.de/showfile.phtml/04-2007_haas.pdf?foid=20863
8) Preece, J., Nonnecke, B. Why Lurkers Lurk. In AMCIS Conference Proceedings, Boston, June 2001
 
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