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Citrix XenServer 4

Überblick

XenEnterprise (mittlerweile in Citrix XenServer Enterprise Edition umbenannt) , die von XenSource hergestellte kommerzielle Variante des Opensource-Hypervisors Xen, hat bereits in der bislang aktuellen Version 3.2 einiges an Aufmerksamkeit auf sich gezogen: Einfache Installation, schlanker und leistungsfähiger Hypervisor mit Unterstützung für Linux- und Windows-Gastsysteme, graphische Managementconsole und paravirtualisierte Windowstreiber für gute Performance bewogen nach XenSource-Aussagen inzwischen mehr als 500 Unternehmen weltweit, virtualisierte Server mit XenEnterprise zu betreiben.

Das von Citrix übernommene XenSource schlägt mit seinem Produkt eine Brücke zwischen dem „Barebone“-Hypervisor Xen aus der OpenSource-Welt und den Anforderungen des Marktes an ein „rundes“, gut zu managendes Produkt.

Version 4

Die bekannten Lücken und Schwächen der alten Version auszumerzen und vom Feature-Umfang mit dem ESX-Server gleichzuziehen, ist erklärtes Ziel der kürzlich veröffentlichten Version 4 . Diese nimmt sich zentraler Themen wie Unterstützung von Shared Storage, Live Migration, 64 Bit-Unterstützung und verbesserten Managements an.

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Bild: Xen-Architektur

Installation

Die bereits in vergangenen Versionen gute Installationsroutine war anscheinend nicht weiter zu verbessern und ist daher nahezu unverändert: Nach einem Bootvorgang von der Installations-CD und einer automatischen Hardwareerkennung schreibt der Installationsassistent ein schlankes Linux samt Xen-Hypervisor (jetzt Version 3.1 des Opensource-Xen) auf die lokale Platte des Rechners. Dieser sollte vorzugsweise einen modernen Prozessor mit Virtualisierungsunterstützung an Bord haben – je nach Geschmack z.B. einen Xeon-Prozessor aus dem Hause Intel mit „VT“-Option (Intel Virtualization Technology) oder einen Opteron aus der AMD-V Familie. Nur dann ist auch der Betrieb von Windows-Gastsystemen möglich. Eine entsprechende Warnung des Installationsprogramms, dass keine Hardwarevirtualisierung vorgefunden wurde, kann dementsprechend übergangen werden oder aber als Hinweis darauf dienen, dass die Unterstützung zuvor noch im BIOS eingeschaltet werden muss.


Bild: XenEnterprise Installationsassistent

Der Assistent fragt auch ab, ob man die sog. Linux Pack CD installieren möchte. Dies empfiehlt sich in jedem Fall, da nur dann Linux-Gäste automatisiert eingerichtet werden können. Das Einspielen kann aber auch zu einem späteren Zeitpunkt nachgeholt werden. Als Storage für die virtuellen Systeme dient zunächst die lokale Platte – im weiteren Verlauf kann das sog. Storage Repository aber auch auf einem Netzwerkspeichergerät untergebracht werden. Nach einem Reboot steht sofort die Xen-Umgebung für Virtualisierungszwecke zur Verfügung. Die von XenSource versprochenen „10 minutes to Xen“ sind sprichwörtlich zu nehmen, wenngleich Administrator ohne Übung anfangs eher 20 als 10 Minuten benötigen wird, was aber immer noch beachtlich wenig ist. Beachtlich in diesem Zusammenhang auch, dass ausgewiesene Linux-Kenntnisse nicht vonnöten sind, einen XenServer aufzusetzen. Dies passt insofern ins Bild, als mit der Lizenzvariante XenServer ein Produkt ausschließlich für die Virtualisierung von Windows-Systemen angeboten wird.

Administration

Mit der Server-Installation steht jedoch erst ein „Bein“ des Systems: Nun ist noch die Administrationskonsole zu installieren. Diese bislang in Java realisierte Clientsoftware ist nun als .Net-Applikation auf den Betrieb auf Microsoft Windows-Rechnern beschränkt, bietet aber eine moderne Oberfläche und hohen Komfort. Der Administrator kann lokal oder remote von dieser XenCenter getauften Konsole sämtliche XenEnterprise-Server zentral managen und überwachen sowie virtuelle Maschinen installieren, konfigurieren, exportieren und – das zentrale Novum der Version 4 – mittels XenMotion per Drag&Drop von einem Rechner auf einen anderen verschieben. Dies funktioniert unterbrechungsfrei auch im laufenden Betrieb, wie eindrucksvoll die XenSource-Screendemo (inzwischen leider nur nach Registrierung) zeigt.

Alle wesentlichen administrativen Tätigkeiten erfolgen von der Administrationskonsole aus, sowohl im Hinblick auf den eigentlichen Xenserver als auch für die Einrichtung und Verwaltung der Gastsysteme. Einige Funktionen wie beispielsweise das Umkonfigurieren des Storage-Repositories, in welchem die Gastsysteme innerhalb von Logical Volumes abgespeichert sind, können nur auf der Kommandozeile (CLI) des Servers in der Domain0 vorgenommen werden.

Die Einrichtung von Gastsystemen erfolgt komfortabel direkt von der Administrationskonsole aus. XenEnter stellt für unterschiedlichste Szenarien verschiedene Wege für die Installation zur Verfügung:

  • Verwendung eines sog. Templates für die Schnelleinrichtung von Debian-Linux-Systemen (Sarge und Etch)
  • Installation von den Original-Installationsmedien oder eines ISO-Images für die Einrichtung von Windows 2000 / 2003 / XP-Gästen sowie RHEL 5 und SLES 10 Gästen
  • Installation aus einem Netzwerk-Installationsrepository (Red Hat Enterprise Linux 4.1)
  • Durchführung einer P2V-Migration (Red Hat Enterprise Linux 3.6, 4.x, Suse Linux Enterprise Server 9 und 10) mittels mitgeliefertem P2V-Tool
  • Clonen einer vorhandenen Gastmaschine
  • Importieren einer vormals aus XenEnterprise exportierten Gastmaschine
  • Konvertieren einer virtuellen Maschine aus Vmware oder Microsoft VirtualPC/Virtualserver.

Novum der Version 4 ist zum einen die Fähigkeit, Server zu Ressource Pools zusammenzufassen. Diese dienen zum einen der zentralisierten Konfiguration und Überwachung. Zum anderen befähigen Sie den Administrator, virtuelle Maschinen auf Knopfdruck im laufenden Betrieb von einem Rechner des Pools zum anderen zu verschieben.

XenCenter Admin-Konsole
Bild: XenCenter

Speichersysteme

Zum Prüfstein für jegliche Virtualisierungslösung mit dem Anspruch, produktive Umgebungen bedienen zu wollen, gerät die universelle Unterstützung unterschiedlichster Storage-Techniken. Hier hatte XenEnterprise großen Nachholbedarf. Zwar kann bereits die Version 3.2 SANs (Fibre Channel und iSCSI) nutzen, um Speicher für die virtuellen Systeme bereitzustellen. Jedoch war dies auf ein “Remote Storage“ Modell beschränkt – es kann eine LUN nur einem Xen-Server zur Verfügung gestellt werden. Mit Version 4 hält nun die Unterstützung für Shared Storage Einzug.

Leider fehlt hier (zumindest derzeit) die Unterstützung für das Fibre Channel Protokoll – der Storage-Assistent in XenCenter bietet jedoch die Nutzung von NFS-Laufwerken und iSCSI-Storageboxen an. Beide können gleichermaßen für netzwerkweites Storage und XenMotion genutzt werden. Administratoren können assistentengeführt neue Storagegeräte definieren und auch zur Laufzeit als Laufwerke den virtuellen Systemen zuweisen (Hotplugging). Selbiges gilt auch für Netzwerkschnittstellen.

Zusammenfassung

Zusammenfassend läßt sich feststellen, dass vor allem Shared Storage in Verbindung mit XenMotion einen großen Schritt in die richtige Richtung für den produktiven Einsatz von Xen in Unternehmen und Datacentern aller Art darstellt. Die Software ist einfach zu installieren und zu verwalten, das Aufsetzen virtueller Maschinen gelingt schnell und sicher und XenEnterprise liefert die von Opensource-Xen bekannte Performance und Stabilität.

Als große Kritikpunkte bleiben die derzeit fehlende Unterstützung von Fibre Channel, was sicherlich für größere Datacenter ein Knackpunkt sein dürfte, sowie die fehlende High-Availability-Funktionalität (HA) als integrierte Lösung für automatische Failover-Mechanismen, wie sie z.B. Vmware ESX durch Addons bietet. In beiden Punkten lässt allerdings der jüngste Deal mit Symantec hoffen, demzufolge Symantec Storage Foundation mit XenEnterprise integriert werden wird, um HA-, DR- und fortgeschrittene Backup-Funktionen als integralen Bestandteil der Virtualisierungslösung anzubieten. Großes und ärgerliches Manko bleibt weiterhin die fehlende Unterstützung für die einfache und reibungslose Übernahme vorhandener Gastsysteme aus einer Opensource-Xen-Installation auf einen XenEnterprise-Server. Hier ist nach wie vor mühsame und fehlerträchtige Handarbeit angesagt.

Mit XenEnterprise 4 ist XenSource ein wettbewerbsfähiges Produkt gelungen, welches jedoch noch in entscheidenden Bereichen (SAN/FC und HA) der Nachbesserung bedarf. Angesichts der gebotenen Leistung und des sehr günstigen Preises dürfte VMware harte Konkurrenz ins Haus stehen.

<Screenshot XenCenter>

Technische Spezifikationen

Hardware-Voraussetzungen für XenEnterprise 4.0

  • CPU: x86 Rechner mit Intel VT oder AMD-V hardwareunterstützer Virtualisierungsfunktionalität, 1.5 GHz CPU, 2 GHz oder mehr, mind. DualCore CPU empfohlen.
  • Arbeitsspeicher: 1 GB RAM minimum, 2 GB empfohlen
  • Festplatte: 16 GB freier Platz minimal, 60 GB empfohlen
  • Netzwerk: mind. 100 Mbit/s NIC

Hardware-Voraussetzungen für die XenCenter-Konsole

  • Betriebssystem: Windows XP, Windows 2000, oder Windows Server 2003
  • CPU: > 750 MHz minimal, >= 1 GHz empfohlen
  • Arbeitsspeicher: 384 MB minimal, > 1 GB empfohlen
  • Festplatte: 100 MB freier Platz
  • Netzwerk: mind. 100 Mbit/s NIC

Varianten des XenServer

  • XenExpress: kostenlose Variante mit Beschränkung auf 4 Gastmaschinen und max. 4GB RAM
  • XenServer: Serverplattform für die Virtualisierung ausschließlich von Microsoft Windowssystemen, nur erhältlich als Mietlizenz
  • XenEnterprise: Vollsystem ohne lizenztechnische Beschränkungen mit Unterstützung von bis zu 32 CPUs und 128 GB RAM

Xen vs. XenEnterprise

Xen als OpenSource ist als weltweites Projekt angelegt mit umfassender Unterstützung großer Software- und Hardwarehersteller, darunter Microsoft, Intel, IBM, AMD, Novell, SUSE und andere. Die Firma XenSource mit Sitz in Palo Alto, Kalifornien, wurde gegründet aus dem Xen-Kernprojekteam. XenSource steuert das Xen-Projekt, koordiniert die OpenSource-Entwicklung und ist gleichzeitig der größte Code-Lieferant für das Projekt. Die XenSource-Produkte setzen auf dem stabilen Entwicklungszweig von Xen auf und ergänzen das Kernprodukt um Komponenten wie Installationsroutine, graphische Oberfläche, Managementkomponenten, Windows-Treiber sowie Support. Teile dieser Komponenten sind proprietär (closed source).

Die Neuerungen der Version 4 im Direktvergleich

XenEnterprise 3.2 XenEnterprise 4
nur 32 Bit Hypervisor und Gäste64 Bit Hypervisor und Windows-Gäste, 32 Bit Linux-Gäste
Remote StorageShared Storage
bis zu 32 CPUs und 32 GB RAMbis zu 32 CPUs und 128 GB RAM
Java-basierte Admin-Konsole für Windows und LinuxWindows-only Admin-Konsole
-Hotplugging von Speicher- und Netzwerkgeräten
-XenMotion
Storageform: Logical VolumeStorageform wahlweise als Logical Volume oder als Dateiimage (VHD) mit Copy-on-write, Snapshot für dateibasierte VMs
-XenAPI, mit sicherem remote-fähigem Protokoll, aufwärts-kompatibel zu OSS Xen mit XML-RPC und Language Bindings

Links

 
virtualisierung/xen/xenenterprise4.txt · Zuletzt geändert: 20.10.2008 10:10 von Wolfgang Sommergut     Nach oben
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