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Migrationswerkzeuge

Server in virtuelle Maschinen übertragen

Die Übertragung physikalischer Systeme in virtuelle unterteilt sich grob in folgende Schritte:

  1. Imaging der bestehenden physikalischen Betriebssystempartition;
  2. Wiederherstellen des Images im virtuellen System;
  3. Kopieren der Datenpartitionen (falls vorhanden) auf das virtuelle System;
  4. Installation der Virtualisierungstreiber und -programme (VMware Tools, MS Virtual Tools);
  5. Testen der Anwendung auf dem neuen Server (vorheriges Abschalten des physikalischen Systems)

Stolpersteine

  • IDE- zu SCSI-Konvertierung,
  • SCSI- zu IDE-Konvertierung,
  • Multi-Boot-Systeme,
  • Verwendung dynamischer Systemfestplatten,
  • Ein- zu Multi-Prozessor- Konvertierung,
  • Multi- zu Einprozessor- Konvertierung,
  • spezielle Einsteckkarten, zum Beispiel Fax- oder ISDN Karten,
  • Hardwaredongle auf dem Quellsystem,
  • Hardwareprüfsummen,
  • USB-Geräte

Produktübersicht

Platespin Powerconvert

Die Firma Platespin Ltd. aus Toronto bietet mit Abstand das innovativste Produkt, da es über die bloße P2V-Funktion weit hinausgeht. Hinter Powerconvert versteckt sich ein Tool zur Erstellung und Migration vieler virtueller und physischer Systeme, daher wird auch ein eigener Server für das Produkt empfohlen (kann auch eine virtuelle Maschine sein). Der Funktionsumfang ist enorm und automatisiert Massenmigrationen. Außerdem ist es derzeit das einzige Produkt am Markt, das eingeschränkt auch Linux-Systeme (Red Hat) übertragen kann. Als Zielsysteme können VMs unter VMware Server, ESX und Microsoft Virtual Server, XenSource und Virtual Iron dienen. Platespin Powerconvert existiert in mehreren Ausführungen, die je nach Version einen unterschiedlichen Funktionsumfang bieten.

Grundsätzlich besteht Platespins Produkt aus einer zweigeteilten Verwaltungsoberfläche, in der alle verfügbaren Quell- und Zielsysteme im Netzwerk angezeigt werden. Einem oder mehreren beliebigen Ausgangsrechnern kann man die Funktion des Image-Servers übertragen. Dieser dient bei der späteren Migration als Ablageort für die Systemabbilder. Diese Funktion lässt sich auch über schmalbandige WAN-Verbindungen einrichten lässt, beispielsweise auf einem Filial-Server mit genügend freiem Festplattenspeicher, so können spätere Migrationen in dieser Filiale nur im LAN ablaufen. Über die WAN-Leitung werden lediglich die Steuerungsdaten transportiert.

Leostream P>V direct

Leostreams P>V direct ist ein reines Migrationsprodukt für die Umsetzung physischer Windows-Server in die virtuelle Welt. Sein größtes Alleinstellungsmerkmal ist die Live-Migration, das heißt, das physikalische System wird im laufenden Betrieb in eine virtuelle Maschine umgezogen. Die Ausfallzeiten lassen sich so verringern, allerdings ist daran zu denken, das Quellsystem nach der Migration abzuschalten.

P>V direct arbeitet als reine Client-Server-Anwendung und setzt einen installierten Agenten auf dem VMware GSX, ESX oder Microsoft Virtual Server und eine Client-Software auf der zu migrierenden Maschine voraus. Anschließend stellt der Client als Quellsystem die Verbindung zum Ziel her und nach Angabe der Destination und ihrer Eigenschaften (Lokation, Partitionsgröße) beginnt die Umstellung. Diese läuft vollautomatisch ab, und nach Abschluss kann das Quellsystem verwendet werden.

VMware Converter

VMware bietet mit „VMware Converter“ ein Client-Server-Produkt an, mit dem physische Systeme unter Windows in VMs unter VMware Workstation, Server und ESX überführt werden können. Außerdem wurde das VMware Importer Produkt mit kompletter Funktionalität integriert, welches die Konvertierung virtueller Maschinen unterschiedlicher Herkunft (VMware Produkte, Microsoft Virtual PC/Server, verschiedene Imagingprodukt) in andere VMware Formate erlaubt. Interessant ist dabei, dass als Ziel auf direkt auf einen VirtualCenter 2 oder VMware ESX 3 Server zugegriffen werden kann.

VMware Converter wird in zwei Versionen angeboten: Starter und Enterprise

Die Starter Version ist für jeden kostenlos nutzbar, die Enterprise Version verlangt, dass man Lizenznehmer des VirtualCenter 2 Servers ist.

VersionStarterEnterprise
Cloningmöglichkeitenlokal und remote Online Migrationlokal und remote Online Migration, lokal Offline Migration
Anzahl gleichzeitiger Konvertierungeine aktive Migrationmehrere Migrationen gleichzeitig
Direktimport VC2/ESX3nur lokallokal und remote

VMware Converter besteht je nach Version aus ein oder zwei Modulen, der eigentlichen Software und der Boot-CD (Cold Migration).

Die Online oder Hot Migration wird mittels eines Agenten durchgeführt, der entweder manuell oder mittels VMware Converter Client durchgeführt wird. Dabei wird eine Art „Snapshot“ auf dem Quellsystem angelegt, um eine halbwegs konsistente Migration durchführen zu können. Trotzdem muss bedacht werden, dass nicht jede Software eine Online Migration verträgt.

Bei der Offline oder Cold Migration wird das Quellsystem mittels WinPE CD gebootet, welches die existierende Hardware erkennt (Controller, Festplatten und Netzwerkkarten) und nach Angabe der TCP/IP-Informationen die VMware Converter Software startet. Während der Server läuft, muss sich der Administrator mit diesem über die Converter-Client-Software verbinden. Danach und nach Auswahl der betroffenen Partitionen wird eine Kopie des Systems auf dem Zielsystem angelegt.

Neben der reinen Datenkopie passt die VMware Converter Software die Festplatten-Controller Treiber im Zielsystem an und installiert ggf. die VMware Tools.

Cristie CBMR

Das Produkt CBMR (Cristie Bare Metal Restore) der Firma Cristie Data Products aus Niedernberg kommt eigentlich aus einer anderen Ecke, dem Desaster Recovery. Allerdings ist dieses Gebiet von der P2V-Migration nicht weit entfernt. Auch hier wird quasi ein abgeschaltetes System auf neuer Hardware wiederhergestellt.

Cristie besitzt mit Dissimilar Hardware Servers eine Erweiterung des bekannten Desaster Recovery und kann ein gesichertes System über eine Treiberanpassung auf einer anderen Hardware wiederbeleben.

Durch diese Funktion eignet sich das Produkt unabhängig vom Virtualisierungssystem ebenfalls sehr gut für P2V-Zwecke. Eine Linux-Unterstützung existiert zwar für Desaster Recovery, leider aber ohne die Dissimilar-Hardware-Option, wodurch man sich an eine mitgelieferte manuelle Anleitung halten muss.

Cristie CBMR setzt entweder auf einer vorhandenen Backup-Software auf (Tivoli TSM von IBM) oder nutzt das lokal angeschlossene Bandlaufwerk. Optional kann eine komplette oder inkrementelle Sicherung gewählt werden. Dies bietet den Vorteil, dass bei einer 20-GB-Festplatte mit 25-prozentiger Belegung nur 5 GB zu sichern sind.

Die Rücksicherung leitet der Systemverwalter über eine Boot-CD ein, die auf Linux basierend, eine eigene Oberfläche startet. Nach dem eigentlichen Restore startet man über das Menü den Dissimilar Hardware Server. Nun muss der Administrator auf einem beliebigen Windows-System eine kleine ausführbare Datei starten (welche auf der Website zum Download bereitsteht) und kann sich dann mit dem Dissimilar Hardware Server verbinden und beliebige Windows-.inf-Treiberdateien einspielen.

Sobald dieser Prozess abgeschlossen ist, lässt sich die Ziel-VM starten. Um alle Berechtigungen wiederherzustellen, muss über die Cristie-Oberfläche zwingend eine Rücksicherung auf des Zielsystems angestoßen werden.

Microsoft VSMT

Microsofts VSMT (Virtual Server Migration Tool) ist das einzige kostenfreie Produkt im Feld. Es nutzt einen PXE-Boot, womit man sich in manch produktiver Umgebung eine blutige Nase holt, wenn dort auch eine Softwareverteilung läuft (es darf pro Netzwerksegment nur ein PXE-Server existieren, daher muss gegebenenfalls eine Trennung über Router oder VLANs erfolgen).

VSMT ist eher eine Mischung aus verschiedenen Diensten und Skripten aus dem Microsoft-Fundus, die mehr oder weniger zusammenspielen und zwingend manuelle Eingriffe erfordern. Zu den erwähnten Diensten gehört auch der Application Deployment Service, welcher nur mit Windows 2003 Enterprise oder dem Datacenter Server funktioniert. Wenn ein solcher Server nicht im Haus ist, wird das an sich kostenlose Tool sehr teuer.

Physical-to-Virtual-Werkzeuge im Vergleich

ProduktPowerconvertP>V directVMware ConverterCBMRMS VSMT
HerstellerPlatespinLeostreamEMC/VMwareChristie Data ProductsMicrosoft
Windows GastNT 4 SP6, 2000, XP, 2003NT 4 SP6, 2000, XP, 2003NT 4 SP6, 2000, XP, 2003,2000, XP, 20032000, XP, 2003
Linux GastRed Hat 7.3, Red Hat 8neinneinteilweisenein
VerfahrenTCP/IP-Verbindung, Kopie auf SektorebeneTCP/IP-Verbindung, Kopie auf SektorebeneTCP/IP-Verbindung, Kopie auf SektorebeneTCP/IP- oder Direktverbindung zu Bandlaufwerk, Kopie auf DateiebeneTCP/IP-Verbindung, PXE, auf Sektorebene
BesonderheitZentrale Verwaltungsoberfläche, Red-Hat-Unterstützung, Desaster RecoveryV2V, online MigrationV2V, Online MigrationDissimilar Hardware Server, Desaster RecoveryNicht eigenständig (setzt auf Zusatzdiensten auf)
ZielsystemVMware Server; VMware ESX, MS Virtual Server, XenVWware Workstation, VMware Server, VMware ESX, MS Virtual Server,XenVWware Workstation; VMware Server, VMware ESXBeliebige VM mit emulierter x86 HardwareMS Virtual PC, MA Virtual Server
Lizenzkosten25 Lizenzen für 3000 DollarPro Migration-Pro Serverkeine
WAN-fähigjaneinneinneinnein
Partitionierung der Zielpartitionjajajajanein
Unterstützung fremder Imaging-SoftwareneinAcronis Trueimage; Symantec GhostAcronis Trueimage, Symantec Livestate Recoveryneinnein
Virtual to Virtual-nur zwischen MS Virtual Server und VMware ESXnur nach VMware Formatjanein
Virtual to Physicaljanein-janein
Physical to Physicaljanein-janein

Autor: Dennis Zimmer 30.07.2007, 18:33

 
virtualisierung/p2v-tools.txt · Zuletzt geändert: 30.01.2008, 18:36 von Wolfgang Sommergut     Nach oben
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