Virtual Machine Manager
Überblick
Unter dem Sammelbegriff System Center fasst Microsoft seit rund zwei Jahren seine System-Management-Tools zusammen. Zu den jüngsten Komponenten zählt der Virtual Machine Manager (VMM) für die Verwaltung von virtuellen Maschinen. In der Vergangenheit beschränkte sich diese Disziplin allein auf diejenigen virtuellen Maschinen, die durch Microsofts „Virtual Server“ erzeugt und unter ihm ausgeführt wurden. Zukünftig soll der VMM auch alle virtuelle Systeme verwalten, die auch Basis von Hyper-V laufen.
Der VMM besteht aus dem VMM-Server, einer Datenbank, in er seine Konfigurationen ablegt, ferner die Verwaltungskonsole sowie ein Portal, über das Benutzer virtuelle Maschinen in Eigenregie verwalten können. Die Trennung des Servers von seiner Verwaltungsumgebung erlaubt die Fernwartung des Systems über eine separate Konsole. Wenn gewünscht, kann die Verwaltungskonsole auch zusammen mit dem VMM-Server auf einem Rechner laufen.

Das Bild zeigt links das Host-Betriebssystem und daneben einen Ausschnitt einer virtuellen Maschine mit Exchange 2003. In der Mitte befindet sich die Verwaltungskonsole des Virtual Machine Manager. Er ist ebenso Gast des Host-Betriebssystems. Rechts davon die traditionelle Konsole des Virtual Server 2005 R2.
Funktionen
- Konfiguration des Hosts und Assistent, der bei der Auswahl des passenden Hosts unterstützt;
- Bibliothek für virtuelle Images und Basisfunktionen, die zur Erzeugung und Verwaltung von virtuellen Maschinen benötigt werden;
- Verwaltungsobjekte für das Monitoring und Reporting;
- Bündeln von Host-Systemen zu Gruppen. Diese stellen eine Verwaltungseinheit für die virtuellen Maschinen dar.
- Umsetzung aller Aktionen erfolgt im Zuge von Jobs. Dabei handelt es sich um PowerShell-Skripte. Sie werden von den Assistenten der VMM-Konsole erstellt. Der Administrator kann sie an die seine Anforderungen anpassen.
Setup und Konfiguration
Die Gliederung des VMM in mehrere Komponenten spiegelt sich im Installationsprogramm wider, das ein seperates Setup des Server-Systems, der Verwaltungskonsole und eines Self-Service-Portals vorsieht. Als Systemvoraussetzung verlangt der VMM-Server mindestens Windows Server 2003 mit dem SP1 sowie die Windows-Remote-Verwaltung (WinRM).
Zur Kommunikation mit dem Virtual Server oder auch dem Library Server braucht der VMM einen Agenten. Dieser wird beim Einrichten eines Hosts automatisch installiert. Außerdem spielt das Setup bei Bedarf den Virtual Server ein.
Erzeugen von VMs
Auch für das Einrichten neuer virtueller Maschinen stellt Microsoft Assistenten bereit. Diese fragen in einem mehrstufigen Dialog die benötigten Einstellparameter ab, generieren am Ende die Scripte und erledigen die ihnen zugedachten Aufgaben. Zu den Optionen zählen Hardwareeinstellungen für die virtuellen Festplatten, die Netzwerkkarten sowie Angaben zur CD/DVD-Nutzung, Diskette und ähnliche Peripheriegeräte. Einstellbar ist auch eine relative CPU-Nutzung im Verhältnis zu allen anderen VMs auf diesem Host. Zur Verwaltung der VMs werden die Operationen Erzeugen, Löschen, Verschieben oder Kopieren angeboten. Die VMs lassen sich zudem von physischen Rechnern migrieren oder aus einem ISO-Image, einer Vorlage (Template), einer VHD-Datei beziehungsweise einer bestehenden virtuellen Maschine ableiten.
Bei der Platzierung einer erzeugten VM auf einem Host kann der Administrator nach eigenen Wünschen verfahren, oder er lässt sich dabei vom VMM helfen. Dieser schlägt ihm eine bestmögliche Platzierung der VM in Hinblick auf den Hauptspeicherbedarf, die Netz- und IO-Last sowie die CPU-Nutzung vor. Diese Leistung kann der VMM allerdings nur dann erbringen, wenn er das Lastverhalten der neuen virtuellen Maschine kennt oder einschätzen kann. Für neue VMs müssen diese Angaben daher vom Administrator kommen. Die Platzierungsfunktion beschränkt sich nicht auf selbst erstellte VMs, sondern unterstützt auch bei der Migration von physischen Rechnersystemen in virtuelle Umgebungen. In diesem Fall kann der VMM durch die Beobachtung des Lastverhaltens passende Vorschläge unterbreiten.
Administration
Die Nutzung der VMM-Konsole ist in erster Linie für den IT-Verwalter gedacht. Benutzerrollen erlauben aber eine abgestufte Verwaltung, bei der andere Anwender bestimmte Aufgaben übernehmen können. Die Konsole kann für die jeweiligen Bearbeiter angepasst werden.
Daneben stellt Microsoft mit dem Selbstbedienungsportal die Verwaltungsfunktionen auch für weitere Nutzer der VMs bereit. Insbesondere für Tests oder in der Softwareentwicklung lassen sich auf diesem Weg eigene Systeme aufbauen und verwalten. Die Berechtigungen dazu sind direkt an die Organisationseinheiten und Benutzer des Active Directory gebunden. Dabei ist auch zu bestimmen, was genau die berechtigten Personen dürfen. Neben dem Starten und Stoppen der VMs sind das unter anderem das Pausieren einer VM oder das Setzen von Checkpoints. Damit die derart berechtigten Benutzer die Ressourcen des Hosts nicht über das ihnen zugedachte Maß hinaus beanspruchen, lassen sich Grenzen (Quotas) definieren.
Im Portal stehen auch die Templates und Bibliotheken zur Verfügung. Ein Template stellt aber immer nur das Grundgerüst dar. Die Detailkonfiguration einer davon abgeleiteten VM, wie beispielsweise der Rechnername, ihre IP-Adressen oder die Security-IDs der Rechner, muss separat erfolgen. Diese Schritte erledigt heute häufig das Tool SYSPREP, das auch in den Ablauf der VMM-Scripte integriert und damit automatisiert werden kann.
Stärken und Schwächen
- Sehr gute Benutzerführung;
- großer Funktionsumfang;
- gute Integration in die Microsoft-Infrastruktur;
- Hilfe bei der Auswahl des Hosts;
- Automatisierung durch PowerShell-Skripte;
- Self-Service-Portal für die Benutzer zur Verwaltung der VMs.
- Keine Migration laufender virtueller Maschinen zwischen Hosts;
- keine Unterstützung für die virtuellen Systeme von VMware.