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Configuration Management DB

Überblick

Lange Zeit haben IT-Abteilungen versucht, durch die lokale Pflege von Listen die für sie relevanten Informationen über IT-Komponenten vorzuhalten. Doch dann musste man feststellen, dass sich diese Daten nur schwer bis gar nicht untereinander synchronisieren lassen und häufig veralten. Die Erwartungen waren daher groß, als vor einigen Jahren die Themen IT-Change-Management und später Business-Service-Management in den IT-Abteilungen Einzug hielten. Doch eine Frage haben alle Lösungsanbieter für diese Disziplinen lange nicht befriedigend beantwortet: Wo soll die Beschreibung der Services überhaupt stattfinden? Es wurde deutlich, dass ein im BSM-Werkzeug dokumentierter Service sehr viel Arbeit verursacht, wenn über einen davon losgelösten Change-Prozess Veränderungen stattfinden, die später manuell in den Service eingepflegt werden müssen.

Die Antwort auf das Problem kam mit der IT Infrastructure Library (Itil), deren Spezifikationen sich auf Kernprozesse wie Configuration- und Change-Management konzentrieren. Itil fordert ein zentrales Repository in Form einer Datenbank, in der alle IT-Komponenten und deren Zusammenhänge beziehungsweise Abhängigkeiten beschrieben sind, so dass sich daraus diejenigen Daten extrahieren lassen, die man zum Beispiel für eine Service-Modellierung benötigt. Herzstück soll die Configuration Management Database sein. Unterstrichen wird diese Position durch Analysen von Forrester Research, die für die BSM-Einführung bis zum Jahr 2010 der CMDB eine zentrale Rolle zuordnen. Das Repository führe dazu, dass die Gestaltung von IT-Services, die im Jahr 2005 noch überwiegend „chaotisch“ erfolgte, nach und nach die Zustände „reaktiv“, „stabil“, „proaktiv“ bis schließlich „vorausschauend“ (predictive) durchlaufen werde.

Will man den Planungsprozess eines IT-Service sowie dessen Lebenszyklus (Changes) im Griff haben, sind weit mehr Informationen in der CMDB zu hinterlegen. Neben den technischen Daten eines PC oder Servers, deren Software und Netzanbindung gehören dazu auch die Angaben zum Standort, zu den Benutzern und zu Vertragsdaten wie Lizenzen, Garantien, Service-Level-Agreements oder Wartungsabkommen. Derartige Informationen lassen sich bislang nicht ohne weiteres automatisiert in die CMDB einlesen.

Configuration Database Managment

Funktionen einer Configuration Management Database (CMDB)

Um solche Aufgaben zu übernehmen, muss eine CMDB fünf Grundfunktionen beherrschen:

  • Als „Federation“ wird die Fähigkeit bezeichnet, Daten aus beliebig vielen Quellen einzusammeln. Schnittstellen zu Fremdsystemen sorgen dafür, dass die Scanner zum Beispiel Vertragsdaten aus SAP-Applikationen oder Netzdaten aus Cisco Works auslesen können.
  • Die Funktion „Reconciliation“ kommt dann zum Einsatz, wenn eine IT-Komponente in mehreren Quellen auftaucht, dort aber jeweils mit unterschiedlichen technischen Angaben dokumentiert ist. Hier gilt es, die genauere Information regelgestützt zu ermitteln.
  • Unter „Mapping“ versteht man das Abbilden eines gesammelten Ist-Datenbestands auf einen Soll-Datenbestand mit Hilfe von Validierungsregeln.
  • Bei der mit dem Mapping eng verknüpften „Visualisierung“ spielt eine wesentliche Rolle, wie sich komplexe Zusammenhänge überhaupt darstellen lassen. Weit reichende Abhängigkeiten einer IT-Komponente können schnell zu einem mehrdimensionalen Beziehungsnetz führen.
  • Schließlich geht es noch um die „Synchronisation“ neuer Datenbestände mit den diversen Quellen.

Ansätze für CMDBs

Eine CMDB soll als Instrument für Planungs-, Analyse- und Pflegeprozesse fungieren. Die heute verfügbaren CMDB-Produkte erfüllen solche Anforderungen an eine Prozessorientierung allerdings noch nicht oder nur eingeschränkt. Das Aachener Beratungshaus ComConsult Kommunikationstechnik GmbH spricht von vier Architekturausrichtungen, die sich am Markt herauskristallisieren.

  • Die einfachste Form ist dabei der „virtuelle“ CMDB-Ansatz. Hier macht man sich zunächst keine Gedanken, wie ein Pflegeprozess aussehen soll, sondern konsumiert die Daten, die in anderen Werkzeugen anfallen. Der Fokus liegt also auf einer möglichst schnellen und flexiblen Integration der Quellen. Die CMDB-Engine ist in der Lage, aufgrund von definierten Merkmalen ein Mapping über die verschiedenen Datenquellen zu fahren, um Verknüpfungen zu erstellen. Eine zentrale Datenhaltung ist dabei nicht erforderlich, die Zusammenführung kann bei Bedarf online erfolgen. Anders ausgedrückt: Da die Datenhaltung im jeweiligen Quellsystem stattfindet, fungiert die CMDB eher als eine Art Link-Sammlung, deshalb die Bezeichnung „virtuell“.
  • Fortschrittlicher ist der „föderierte“ CMDB-Ansatz, der mit einem zentralen Speicher arbeitet. Hier findet die Datenhaltung sowohl im jeweiligen Quellsystem als auch in der „Federated CMDB“ statt. Es gibt eine gewisse Datennormierung und -standardisierung, aber noch keine spezifischen Pflegeprozesse innerhalb der CMDB. Im Unterschied zur virtuellen Architektur werden über Exportmechanismen die Daten aus den diversen Quellen bezogen und in der CMDB gesammelt.
  • Der „zentralisierte“ CMDB-Ansatz umfasst die Datenhaltung im jeweiligen Quellsystem sowie in mehreren Schichten einer CMDB. Man kann Daten einlesen und mit dem zentralen Datenbestand abgleichen. Hinzu kommt, dass es im Rahmen von Pflegeprozessen möglich ist, eine ausgeprägte Standardisierung der Informationen vorzunehmen sowie diese mit Zusatzangaben etwa aus dem nichttechnischen Bereich zu vervollständigen.
  • Der als „advanced“ bezeichnete CMDB-Ansatz bedeutet schließlich, dass zusätzlich zu den Pflegeprozessen alle Daten regelgestützt untersucht sowie fehlerhafte Datenbestände erkannt und korrigiert werden können. Auf diesem so konsolidierten Data Repository arbeiten dann Applikationen wie ein Change-Management oder eine Vertrags- und Lizenzverwaltung.

Produkte und Hersteller

Aixpertsoft

Bei „Aixboms“ von Aixpertsoft handelt es sich um ein herstellerneutrales CMDB-Produkt, das vor dem Hintergrund entstanden ist, dass viele Anwender System-Management-Komponenten mehrerer Hersteller im Einsatz haben und sich bei einem zentralen Repository wie der CMDB von keinem dieser Anbieter abhängig machen wollen. Das System wird als „advanced“ eingestuft, weil über die reine Datenhaltung und das Reporting hinaus ein Mehrwert über Applikationen geschaffen wird. Diese reichen vom datenbankgestützten Change-, Problem- und Vertrags-Management bis zur Business-Service-Modellierung. Ein Scanner als Discovery- und Inventory-Lösung ist seit Ende 2007 ebenfalls in Aixboms integriert.

BMC

BMC geht mit Atrium in Richtung einer zentralen CMDB-Architektur. Die Basis bildet das Action Request System (ARS), auf dem auch die ITSM-Suite basiert, der Marktführer im Bereich der Service-Support-Lösungen. Damit liegt der Fokus der zur Verfügung stehenden Applikationen auf dem Change-Management als Teil der ITSM-Suite, insofern lässt sich von einer zentralen CMDB mit prozessorientierten Ansätzen sprechen.

Die BSM-Strategie von BMC ist durch Akquisitionen geprägt. Das 2004 hinzugekaufte Marimba zur Softwareverteilung ergänzte den Bereich der Discovery-Lösungen, und die Übernahme des Herstellers Itmasters bildet die Basis für die BMC-Konsole, den „Service Impact Manager“ (SIM). Dabei stellt Atrium immer die zentrale Datendrehscheibe, aus der sich die Produkte bedienen beziehungsweise in der sie ihre Daten ablegen. Comconsult attestiert BMC 20 Monate Entwicklungsvorsprung vor anderen Herstellern und die größte CMDB-Installationsbasis. Die Funktionen für Integration und Federation innerhalb des eigenen Produktportfolios werden als gut bezeichnet.

rimacon GmbH

Die rimacon omniSuite von rimacon GmbH ist ein einfach zu bedienendes und sofort einsetzbares anpassbares Software-Tool, mit in kurzer Zeit eine individuelle CMDB aufgebaut wird und die IT-Prozesse unterstützt werden.

rimacon omniSuite zeichnet sich durch absolute Flexibilität aus und erlaubt daher den Aufbau einer kundenindividuellen CMDB. Anforderungen können auch ohne Datenbankkenntnisse und ohne Entwicklungsaufwände umgesetzt werden.

Alleinstellungsmerkmal sind z.B. die Möglichkeit, das Tool jederzeit, also auch im laufenden Betrieb, ohne Programmierer anzupassen oder zu erweitern (und so die schrittweise Umsetzung und Einführung zu unterstützen) oder CIs einen Status in Form beliebiger Symbole oder Farben zuzuweisen.

rimacon omniSuite bietet u.a. Import, Mapping, Prozess-Engine, Visualisierung, Report- und Berichtsmöglichkeiten, Soll/Ist-Analysen und automatisierte agentenlose Inventarisierung.

Computer Associates

CA hat in den letzten Jahren seine System-Management-Applikationen so umgebaut, dass sich deren Konfigurationsdaten in einer zentralen „Management Database“ (MDB) speichern lassen. Auf diesen Erfahrungen aufbauend, hat der Hersteller über Integration und Federation der CA-Produkte (R11+) eine CMDB geschaffen, auf die ein „CMDB Manager“ für Reporting aufsetzt sowie ein „CMDB Visualizer“ als Grafik-Layer für die Configuration Items (CIs) sowie deren Beziehungen untereinander. Die Architektur ist sehr technisch ausgelegt und noch nicht prozessorientiert. Das heißt, man kann nicht in mehreren Stufen und Varianten planen oder Soll-Ist-Bestände anlegen und vergleichen. Die von CA-Produkten in die CMDB geschriebenen Daten sind in erster Linie technische Informationen. Auch die „Cohesion“-Maps zur Verwaltung von Anwendungskonfigurationen werden derzeit noch nicht in die CMDB importiert.

Hewlett-Packard

Mit den Zukäufen von Peregrine (Asset-Management) und Mercury (Application-Mapping und Scanner) hat sich bei HP einiges bewegt. Das verbreitete Produkt „Mercury Application Mapping“ (MAM) dient als CMDB-Basis und heißt jetzt „HP Universal CMDB“. Sie bietet einen starken Federation- und Reconciliation-Ansatz, ist aber mit wenigen Ausnahmen noch nicht prozessorientiert. Dies sind die Impact-Analysefähigkeiten der CMDB sowie das Decision-Support-Tool zur Analyse von Change-Auswirkungen, das derzeit sogar als Alleinstellungsmerkmal bezeichnet wird. Wie bei den anderen Framework-Anbietern liegt auch für Hewlett-Packard die Herausforderung darin, die Features Integration und Federation über das gesamte System-Management-Portfolio und die CMDB herzustellen.

IBM

Bei IBM wird das Produkt Tivoli Application Dependency Discovery Mapping (TADDM) als Stand-alone-Lösung mit einem Upgrade-Pfad zur Change and Configuration Management Database (CCMDB) angeboten. Eine Basisintegration und Federation zu einigen der hauseigenen Tools existiert bereits. Die Integration der mit der Firma MRO im Jahr 2006 übernommenen Technik für Asset-Management ist noch nicht abgeschlossen. Außerdem ist zu befürchten, dass die Einbindung der neuen Change-Fähigkeiten von MRO in die CCMDB aus Architektursicht nicht einfach sein wird. Ferner gibt es mit dem für Reconciliation-Aufgaben zuständigen Maximo ITAM eine zweite, von TADDM/CCMDB bislang noch weitgehend losgelöste Werkzeuglinie.

Managed Objects

Die CMDB 360 von Managed Objects folgt dem virtuellen und föderierten Architekturansatz. Das System beschränkt sich auf den Import, die Visualisierung und das Reporting von CI-Daten. Alleinstellungsmerkmal ist die Möglichkeit, einem CI einen Status in Form einer Farbe zuzuweisen, der aufgrund von zuvor definierten CI-Attributen berechnet wird. Über Web-Services sowie eine proprietäre SQL-Schnittstelle kann auf die konsolidierten Daten zur weiteren Verwendung zentral zugegriffen werden. Ein Applikations-Scanner-Werkzeug soll in diesem Jahr kommen.

Weblinks

 
it-management/cmdb.txt · Zuletzt geändert: 16.09.2008 15:03 von Fischer     Nach oben
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